Lügen über meine Mutter: Bitterkomische Familiengeschichte im filmforum Duisburg


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Wenn die Waage zur Familienbühne wird: Lügen über meine Mutter im filmforum Duisburg
Ein Satz reicht, um die häusliche Idylle gründlich aus dem Gleichgewicht zu bringen: Cornelia ist zu dick, sagt Werner. Und der muss es wissen, denn er ist ja ihr Mann. Am Donnerstag, 15. Oktober 2026, zeigt das filmforum Duisburg Aron Lehmanns bitterkomische Verfilmung von Daniela Dröschers autobiografischem Roman Lügen über meine Mutter.
Bitterer Humor mit präzisem Timing
In der westdeutschen Provinz der 1980er-Jahre wird der Familienalltag zur Bühne für Werners Schlankheitswahn. Zwischen Brigitte-Diät, Fressattacken im Keller und täglichen Blicken auf die Waage entsteht eine tragikomische Atmosphäre, in der jede Pointe einen kleinen Kloß im Hals trägt. Der Film verbindet trockenen Humor, Familiensatire und leise Gesellschaftskritik zu einem ungewöhnlichen Lach-Erlebnis mit Nachhall.
Eine Familiengeschichte zwischen Kontrolle und Liebe
Die sechsjährige Ela beobachtet, wie der Vater seine Frau immer stärker kontrolliert und ihr Körper zum angeblichen Grund für berufliche und private Misserfolge erklärt wird. Als Kind gerät sie zwischen die Fronten und wird sogar zur Komplizin. Die Perspektive des Mädchens verleiht der Geschichte emotionale Tiefe, während die erwachsene Daniela mit trockenem Blick aus der Leinwand auf das Geschehen zurückschaut.
Rosalie Thomass, Golo Euler und ein sehr spezieller Soundtrack
Rosalie Thomass spielt Cornelia, Golo Euler verkörpert den satirisch überzeichneten Werner, Elise Lindner ist als Ela zu sehen. Regisseur Aron Lehmann nimmt der schweren Vorlage mit trockenem Humor und schrägen Situationen die lähmende Schwere, ohne ihre gesellschaftliche Sprengkraft zu verlieren. Neue-Deutsche-Welle-Schnipsel, nostalgische Kleidung und Interieurs der 1980er-Jahre verstärken den bitterkomischen Grundton.
Kinoatmosphäre mit Charakter
Das filmforum am Dellplatz bietet als kommunales Kino die passende Comedy-Atmosphäre für diesen besonderen Filmabend. Der historische Kinopalast der 1950er Jahre trifft auf moderne Medientechnik. Das Publikum erlebt keinen Stand-up-Abend mit direkter Interaktion, sondern sorgfältig gesetzte Pointen, feines filmisches Timing und eine Publikumsreaktion, die zwischen Lachen, Nachdenken und betroffenem Schweigen pendelt.
Fazit: Ein Filmabend, der mehr als nur die Lachmuskeln bewegt
Lügen über meine Mutter erzählt von Körperbildern, familiären Machtverhältnissen und der ersten großen Liebe unseres Lebens: der Beziehung zwischen Mutter und Kind. Wer trockenen Humor, gesellschaftskritisches Kabarettgefühl und tragikomische Familiengeschichten schätzt, erlebt im filmforum Duisburg einen Kinoabend mit Biss, Herz und überraschend viel Wärme. Jetzt Termin vormerken und Cornelias Geschichte live auf der großen Leinwand erleben.
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