Heimsuchung im filmforum Duisburg: Ein Haus erzählt deutsche Geschichte


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Ein Haus als Spiegel eines ganzen Jahrhunderts
Ein Satz bleibt im Raum stehen: Es soll für immer unser Zuhause sein. In Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte wird ein Haus an einem märkischen See zum stillen Mittelpunkt deutscher Geschichte. Volker Schlöndorff verfilmt Jenny Erpenbecks gleichnamigen Roman und verbindet persönliche Lebenswege mit den politischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts.
Vier Familien, ein Grundstück, ein Jahrhundert
Die Handlung führt durch die Weimarer Republik, die NS-Zeit, den Zweiten Weltkrieg, die DDR und die Jahre bis zum Mauerfall. Ein jüdischer Tuchfabrikant verliert sein Grundstück, ein Architekt verwirklicht dort seinen Traum vom modernen Wohnen, scheitert jedoch im DDR-System. Später findet eine Schriftstellerin nach dem Exil an diesem Ort Zuflucht, während ihre Enkelin dort die Sommer ihrer Kindheit erlebt.
Dramaturgie der Erinnerung
Die Inszenierung verdichtet große historische Linien zu intimen Szenen. Das Haus wird dabei mehr als ein Schauplatz: Es bewahrt Spuren, wechselnde Besitzverhältnisse und die Sehnsucht nach Heimat. Schlöndorff erzählt Geschichte nicht als Lehrstück, sondern als Folge von Entscheidungen, Verlusten und Hoffnungen, die sich in den Biografien der Bewohner spiegeln.
Starke Schauspielkunst und präzise Bildsprache
Martina Gedeck, Susanne Wolff, Lars Eidinger, Michael Maertens und Ulrich Matthes tragen das Ensemble dieser Literaturverfilmung. Die Kamera nähert sich den Figuren mit ruhiger Aufmerksamkeit, während Bühnenbild und Lichtstimmung des filmforum den historischen Stoff in eine konzentrierte Theateratmosphäre überführen. Das Ergebnis ist ein eindringliches Bühnenerlebnis im Kinosaal: leise im Ton, weit in seiner Wirkung.
Ausgezeichnete Romanadaption
Die Verfilmung erhielt den Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption beim Hessischen Film- und Kinopreis 2026. Damit steht die Produktion für eine anspruchsvolle Verbindung aus Literaturverfilmung, Schauspielkunst und historischer Reflexion.
Fazit: Geschichte wird persönlich
Das Publikum erwartet ein bewegendes Drama über Heimat, Enteignung, Erinnerung und die Frage, wem ein Ort wirklich gehört. Wer deutsche Geschichte aus der Nähe erleben und eine sorgfältig gearbeitete Romanadaption entdecken möchte, findet im filmforum Duisburg einen eindringlichen Kinonachmittag.
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