Lügen über meine Mutter: Bitterkomische Familiengeschichte live im filmforum Duisburg


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Wenn Familienliebe auf die Waage steigt: Lügen über meine Mutter im filmforum Duisburg
Ein Satz, schwerer als jedes Diätbuch: Cornelia ist zu dick, sagt Werner. Und der muss es wissen, denn er ist ja ihr Mann. Aron Lehmanns Verfilmung von Daniela Dröschers autobiografischem Roman verbindet bitteren Humor, familiäre Abgründe und einen überraschend warmen Blick auf die erste große Liebe unseres Lebens: die Beziehung zwischen Mutter und Kind.
Bitterkomik mit sehr menschlichem Timing
In der rheinland-pfälzischen Provinz der 1980er-Jahre wird das Familienleben zur Bühne für Werners Schlankheitswahn. Zwischen Brigitte-Diät, Fressattacken im Keller und täglichen Blicken auf die Waage entsteht eine tragikomische Atmosphäre, in der das Lachen immer auch einen kleinen Kloß im Hals trägt. Die Pointen sitzen trocken, manchmal schmerzhaft präzise und gerade deshalb erstaunlich wirksam.
Eine Kindheit schaut genau hin
Die sechsjährige Ela beobachtet, wie die Vorstellungen ihres Vaters über Körper, Ansehen und eine vorzeigbare Ehefrau das Zuhause bestimmen. Das Mädchen wird zur unfreiwilligen Komplizin und versucht, die Gesundheit seiner Mutter zu schützen. Dabei erzählt der Film nicht aus sicherer Distanz: Die erwachsene Daniela blickt aus der Leinwand zurück und ordnet ein, was die kleine Ela damals noch nicht verstehen konnte.
Rosalie Thomass, Golo Euler und Elise Lindner
Rosalie Thomass spielt Cornelia mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und innerer Widerstandskraft. Golo Euler gibt Werner eine unangenehm überzeugende, fast satirisch zugespitzte Präsenz. Elise Lindner verleiht Ela jene kindliche Aufmerksamkeit, die jede Publikumsreaktion zwischen Schmunzeln und betretenem Schweigen pendeln lässt. Das Ergebnis ist kein gewöhnlicher Wohlfühlfilm, sondern eine bitterkomische Familiengeschichte mit genauer Beobachtung.
Neue Deutsche Welle und Nostalgie mit Widerhaken
Der Soundtrack mit Neue-Deutsche-Welle-Schnipseln bringt Bewegung in die 1980er-Jahre und verleiht den Szenen einen eigenwilligen Rhythmus. Kleidung und Interieurs erzeugen nostalgische Bilder, doch der Film erinnert daran, dass früher längst nicht alles besser war. Wenn Cornelia schließlich allein auf der Tanzfläche steht, wird aus der kleinen Bewegung ein großer Moment von Freiheit.
Fazit: Ein Lach-Erlebnis mit Haltung
Lügen über meine Mutter erwartet sein Publikum mit trockenem Humor, bitterkomischen Pointen und einer starken Mutter-Tochter-Perspektive. Wer Familiengeschichten mit satirischem Blick, präzisem Timing und emotionalem Nachhall mag, erlebt im filmforum Duisburg einen Kinobesuch, der noch lange nach dem Abspann weiterarbeitet. Am besten live im Kinosaal ansehen, gemeinsam lachen und danach über die unbequemen Wahrheiten sprechen.
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